Die kleine Zeitzeugin

Fünf Tage Krieg

d'Lëtzebuerger Land vom 06.03.2026

Achtundvierzig auf einen Streich! brüstet sich der orangene Mann im Weißen Haus. Das fängt ja gut an! sind sich die meisten europäischen Kommentator/innen einig. Von Enthauptung sprechen die französischen Medien. Geköpft. Geköpfter Drache.

Jetzt ist der Mann mit dem weisen Antlitz der so gottväterlich streng gütig von den Teheraner Hauswänden seinen Untertaninnen zuwinkt nicht mehr, worauf in den europäischen Städten kluge, gebildete, gutaussehende, gutgekleidete Menschen in Ekstase verfallen. Ein Teil von ihnen versammelt sich unter dem Bildnis eines sie gewinnend anstarrenden Herrn mit einem herrschaftlichen Gesichtserker, das Greisin seltsam bekannt vorkommt. Ist das nicht der…? Entstammt er nicht dem Stamm der… ? Schon taucht vor ihrem inneren Auge die schöne Dame mit der Turmfrisur auf, solche Frisurtürme ließen in ihrer Kindheit alle Frauen, die Damen sein wollten, auf ihren Schädeln errichten. Sie war die Königin des Liebreizes und die Königin von Persien, sie war die Königin der Titelseiten aller Bunten Illustrierten. Ihr Gatte, der vor Stolz und Orden strotzend an ihrer Seite stand, hieß Schah. Stolz wie ein Pfau auf dem Pfauenthron. Vorher hatte er eine andere Frau gehabt, die hatte er verstoßen. Weil sie konnte keine Kinder kriegen. Farah Dibah mit den Rehaugen konnte, der Älteste hieß Reza und er schaut jetzt von den Plakaten.

Drei Tage Krieg, und schon sind Öl und Gas teurer! jammert eine österreichische U-Bahnzeitung. In Bild sorgt sich eine, sagt man das noch?, VIP-Person um ihren vierzehnjährigen Sohn. Rocco allein in Dubai. Es wird derzeit viel geweint im TV, in Luxushotels im Kreise ihrer Lieben eingebunkerte Familienväter flehen um Erlösung, es ist schlimmer als Corona!

Ab dem dritten Tag, wir kennen uns inzwischen aus, nistet sich so ein Krieg ein, dies fliegt in die Luft, jenes wird versenkt, am CNN-Himmel gibt es Blumenkohlvariationen, zischende wolkige Formationen, die Expert/innen wiederholen ihr notdürftig getarntes Nichtwissen. Bis keine mehr etwas davon wissen will. In den sozialen Foren erkalten die Leidenschaften, man kann nicht dauernd haten, matt liket man ohne Überzeugung. Die Mädchenschule im Iran, sollen wir die Wein-Emojis mobilisieren? Oder ätschbätschfake schreien? Man wendet sich wieder anderen Ängsten zu, das Angebot ist enorm.

Schon bietet aber der Durchgeknallte im Weißen Haus, bleiben Sie dran!, seinen unzähligen Follower/innen eine baldige Welle an. Es ist anzunehmen, dass er von einer Welle der Gewalt redet. Sein beflissener Assistent verspricht old school Handfestes. Klassisch harte Schläge.

Der Drachen wurde geköpft, das kollaterale Kleinvieh wird natürlich auch gezählt. 1 097 Zivilist/innen im Iran getötet! Es ist der Morgen des vierten Tages. Die auf künstlichen Inseln im Shopping Paradies Verbannten beklagen, dass die Hotelkosten nicht übernommen werden.

Unter einer dicken Schmierenkomödianten-Makeupschicht lümmelt Ober-Knallkopf in seinem goldigen Ramschstübchen inmitten wohl abgerichteter Kopfnicker, Gendern überflüssig. Dem deutschen Bundeskanzler, der artig-lässig gute Miene zum amerikanischen Roulette macht, verpasst er einen wohlwollend launischen Schenkelklopfer, den abtrünnigen Spaniern werden Disziplinierungsmaßnahmen verkündet.

Nicht nur der tote Schah, auch der tote fromme Killerkommandant hat einen passenden Sohn. Er wird als neuer Todeskandidat gehandelt. Bild trompetet, der potenzielle Potentat sei impotent.

Zweitausend Ziele erreicht! Zwanzig Schiffe versenkt! Dies ist erst der Anfang! schäumt der US-Kriegsminister, brüstet sich wie ein blindwütig eindreschender Schulhofschläger damit auf die am Boden Liegenden zu treten, brüstet sich mit Unfairness, macht sich nicht einmal mehr die Mühe, den Zivilisationsbruch mit Heuchelei zu garnieren. Mit dekorativen Werten. Die Welle der Gewalt, von der keiner weiß was sie alles mit sich reißt.

Und während eine Handvoll Steinzeitmänner, ein paar Höllenritter hasardieren und delirieren leitet das Ehegespenst des amerikanischen Präsidenzfalls eine Sitzung des UNO-Weltsicherheitsrats. Frieden durch Bildung ist das Motto.

Michèle Thoma
© 2026 d’Lëtzebuerger Land